Interview mit Lida und Sascha in Odesa Hausprojekt CP3-2

In Odesa besuchen wir das Hausprojekt „CP3-2“. Die alte Schiffreparaturfabrik liegt mitten in Odesa am Schwarzen Meer. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Industriehafen und riesige Hotels. Das Haus selbst ist an vielen Stellen baufällig und vom Regenwasser feucht. Für die Reparatur des Daches haben wir vor unserer Reise Geld gesammelt und Dachpappe besorgt. Das Projekt ist seit vielen Jahren selbst organisiert und die Bewohnenden gestalten und verwalten den Ort autonom. Es gibt private Schlafzimmer, ein gemeinsames Bad, Gemeinschaftsräume, Werkstätten und im Sommer eine Küche im Freien. Hier leben dauerhaft etwa neun vegane Aktivist*innen. In diesem Interview sprechen wir mit zwei Personen aus dem CP3-2 über ihr Leben im Haus und darüber, was der Ort für sie beutet. Sie erzählen über ihren Aktivismus, ihre Erfahrungen mit, seit und im Krieg und wie sie damit umgehen.

Interview mit Lida und Sascha in Odesa

Frage: Könnt ihr euch bitte vorstellen?

Lida: Mein Name ist Lida. Ich bin Veganerin. Ich bin Aktivistin und aktuell kümmere ich mich vor allem um Hilfe für Menschen, die an der Front kämpfen. Früher habe ich in verschiedenen veganen Kollektiven mitgemacht. Aber seit dem Beginn des Krieges habe ich mich dieser Art von Unterstützungsarbeit verschrieben. Auch weil aus meiner Gruppe eben viele Menschen an die Front gegangen sind oder sich anders am bewaffneten Kampf beteiligt haben.

Sascha: Ich heiße Sascha. Ich bin auch Veganer und Anarchist. Veganer schon seit acht Jahren.

Ich bin organisiert bei der Gruppe Eko-Plattforma, und im Jahr 2022 habe ich mich am bewaffneten Kampf beteiligt. Aktuell bin ich nicht mehr bei der Armee, sondern habe sie vor ein paar Monaten verlassen.

Insgesamt beschäftige ich mich mit veganem oder pro-veganem Aktivismus, mit anti-autoritärem Aktivismus und der Unterstützung verschiedener Menschen und Bevölkerungsgruppen. Ich wohne seit 2024 im Haus.

Frage: Was bedeutet dieser Ort, das Hausprojekt -2, für dich?

Lida: Als ich vor sechs Jahren hier eingezogen bin, war das einfach ein Ort, wo du auf günstige Art und Weise einen alternativen Lebensstil führen und ein kollektives Zusammenleben aufbauen konntest. Das ist auch immer noch so, aber mit der Zeit hat sich die Bedeutung verändert. Einerseits können unsere Genoss*innen, die gekämpft haben und an der Front waren, hier eine Art Reha machen, einfach wieder ankommen und klarkommen. Außerdem ist es auch ein Ort in der Stadt für Infrastruktur, für verschiedene Gruppen. Drittens ist es ein Ort, wo unsere Genoss*innen, die gerade einiges durchmachen und oft sehr müde sind, hinkommen und sich erholen und ausruhen können. In Odesa sind alle Strände kommerzialisiert. Hier aber kannst du am Meer sein, ohne irgendwas dafür bezahlen zu müssen, was sonst nicht der Fall ist. Es kommen auch Leute aus dem Ausland hierher.

Das CP3-2 hat sich mit der Zeit immer mehr politisiert. Am Anfang waren hier eher viele Künstler*innen, Architekt*innen und so weiter. Diese Menschen sind immer noch da, aber haben sich mit der Zeit mit uns zusammen politisiert. Sie nehmen an Aktionen teil und beschäftigen sich nicht nur mit Kunst, sondern sehen Sachen politischer und sind politisch aktiver.

Ich will noch etwas hinzufügen, weil ich diesen Ort sehr liebe. Wir haben hier auch sehr viel gelernt. Wir haben hier Werkstätten für Metall und Holz. Als wir hier angekommen sind, gab es einfach nichts. Wir haben alles selbst aufgebaut und dabei habe ich viel gelernt. Wie ich Dinge reparieren und renovieren kann. Beispielsweise hier diese Wand, neben der wir sitzen, die habe ich selber gemauert und das in dem Zuge gelernt. Wir haben auch alle Toiletten und die Dusche eingebaut. Das hier ist eine Art Schule des Lebens sozusagen – wir erlernen hier ganz, ganz viele Fähigkeiten erlernen und uns gegenseitig beibringen.

Außerdem können wir hier Diskussionen führen in einer Art aktivistischem Safe Space. Wir können Veranstaltungen machen und uns über verschiedene Themen austauschen.

Das ist wirklich so eine Art Safe Space für Aktivist*innen. 

Sascha: Dieser Ort ist für mich in erster Linie mein Zuhause, wo ich mit Freund*innen und Genoss*innen leben kann. Wo ich mich auch nicht so vereinzelt fühlen muss, wie es oft in großen Städten der Fall ist, wo Menschen sich einfach nicht so oft treffen. Wir können hier zusammen sein und miteinander leben. Und es ist auch ein Ort, um zu lernen, wie Autonomie gehen kann, und wo wir auch versuchen, sie praktisch umzusetzen. In dem Sinne, dass wir uns Fähigkeiten und Kenntnisse aneignen, beispielsweise in Bezug auf die Sachen, die Lida schon erzählt hat. Und es ist aber auch ein Treffpunkt für verschiedene Leute, die hier zusammenkommen.

Lida: Ich möchte noch hinzufügen, auch wenn dieser Ort vielleicht zugig oder beispielsweise nicht so leicht heizbar wirkt, war es für uns im Winter, als es diese wochenlangen Blackouts gab,ohne Heizung und Elektrizität, teilweise leichter war als für Leute, die einfach in kleinen Wohnungen wohnen. Wir waren schon daran gewöhnt, dass wir uns zum Beispiel Wasser aus dem Brunnen holen oder halt den Ofen anheizen müssen. Wir hatten einfach schon Erfahrung damit. Wir mussten eigentlich gar nicht so viel verändern.  Wir wissen, wo die Brunnen sind, wir hatten Generatoren und alle wussten, okay, ich mach das, du tust jenes, damit wir hier gut leben können. Es war teilweise tatsächlich schwieriger für Leute, beispielsweise auch für meine Genoss*innen in Kyjiw, die in kleinen Wohnungen wohnen. Wir hatten einfach schon Erfahrung im Überleben ohne Hilfe von irgendwem.

Frage: Wir sind jetzt seit zwei Tagen hier, und ich habe beobachtet, wie ihr miteinander umgeht. Ich habe viel Zärtlichkeit und Fürsorge zwischen euch gesehen. Das hat mich wirklich sehr berührt. Ich habe mich gefragt, wie ihr als Gemeinschaft mit dieser angespannten Situation umgeht? Auch mit Trauer und Verlust.

Lida: Ich würde auf jeden Fall sagen, dass wir hier schon gewisse Care-Praktiken gemeinsam entwickelt haben. Dadurch, dass wir die ganze Zeit zusammen sind und uns einfach ständig über den Weg laufen, schauen wir aufeinander. Wir haben jetzt kein Großplenum oder sowas, aber es gibt eben viele kleine Gruppen oder Leute, die sich näher sind und darauf schauen, wie es allen Leuten geht. Wenn irgendwas los ist, beispielsweise wenn jemand eine andere Person verloren hat oder so, dann teilen wir das auch den anderen mit und überlegen, wie wir gemeinsam damit umgehen können. Ich würde sagen, das ist auch so eine Art Überlebensstrategie, so ähnlich wie das Heizen des Ofens, die wir einfach brauchen, und mit der Zeit entwickelt haben, einfach, weil wir schon so lange hier zusammenleben. Wir hatten bis jetzt keine Prügelei oder sowas in der Art oder dass irgendwas wirklich schlimmes passiert ist, irgendein Konflikt wirklich schlimm eskaliert ist, sondern haben immer andere Lösungen gefunden. Auch wenn es Konflikte gab, haben wir es geschafft die wieder runterzukochen.

Wir sind auch wirklich keine homogene Gruppe. Hier wohnen sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und wir haben uns unter der Idee zusammengefunden, dass es ein Menschenrecht ist, ein Zuhause oder eine Wohnung zu haben. Deswegen beschäftigten sich auch die meisten Leute, die hier wohnen, mit der Unterstützung von Wohnungslosen. Das ist so eine Art gemeinsamer Konsens. Ein anderer gemeinsamer Konsens ist, dass wir hier eben alle vegan sind. Es ist aber auch so, dass Leute zum Beispiel eingezogen sind, die vorher nicht vegan waren und dann hier vegan geworden sind, oder auch Leute, die nicht so politisch waren und sich dann hier politisiert haben. Darüber hinaus haben wir aber auch sehr unterschiedliche Perspektiven oder Herangehensweisen.

Sascha: Genau, es ist eben dieses gemeinsame Zusammenleben und gemeinsame Sein. Leute, die sich wie gesagt vorher zum Beispiel einfach nur mit Kunst beschäftigt haben oder was auch immer gemacht haben, haben sich hier politisiert und geändert. Es gibt einfach einen gemeinsamen Erfahrungshorizont, der hier entsteht und uns zusammenbringt. Also so eine gemeinsame Erfahrung, die wir miteinander teilen und miteinander aufbauen. Und es ist irgendwie so eine Art Keim, ein Keim für antiautoritäres Denken oder anti-autoritäres Sein.

Das wird beispielsweise daran deutlich, was wir machen, wenn jemand stirbt: Wir veranstalten gemeinsame Gedenkabende. Das machen wir auch nicht nur für Leute, die jetzt im Krieg kämpfen, sondern es gab hier beispielsweise so einen Wächter, der dazu beauftragt war, auf das Gelände aufzupassen, und wir hatten sehr viele Konflikte mit ihm, aber trotzdem war er irgendwie ein Teil dieses Raums. Als er gestorben ist, haben wir auch für ihn einen Gedenkabend gemacht. Wenn Menschen sich entscheiden, das Haus oder beispielsweise auch das Land zu verlassen, dann versuchen wir, die Leute gut zu verabschieden und ihnen einen schönen Abschied zu bereiten.

Lida: Eigentlich ist das wirklich eine Sache, die sich von selbst versteht, aber ich will es trotzdem noch mal sagen und unsere Erfahrung zeigt das auch: Es ist kollektiv viel einfacher, irgendwie über den Schmerz hinwegzukommen und ihn zu verarbeiten. Kollektiv ist es einfacher zu überleben, nicht nur den Schmerz zu überleben, sondern beispielsweise auch diese ganzen kapitalistischen Zumutungen. Es ist sehr viel einfacher, wenn man nicht alleine ist. 

Sascha: Es ist auch so, dass wir uns hier nicht nur zu Menschen so verhalten, sondern auch zu Tieren. Wir haben auch einen kleinen Friedhof für Tiere, die hier gestorben sind. Da sind eine Katze, eine Möwe, eine Taube und ein Rabe begraben. Und es ist so, dass Leute auch bei ihrem Tod Schmerz empfinden. Wir denken, dass Tiere Subjekte sind und eine eigene Persönlichkeit haben und dass man mit ihnen eine gute Beziehungen haben und sie nicht essen sollte, sondern beerdigen.

Sonja: Ja, und mit uns leben auch Tiere. Die kleine Katze, die ihr gesehen habt, die wurde von einem Genossen aus Cherson gerettet und die hat hier auch eine kleine Wohnung und kann herumlaufen, wo sie will. Sie lebt auch in gewisser Weise ein bisschen wild, aber kommt immer wieder zurück. Und dann gibt es noch die kleine freie Frau, Bambi, die Hündin, die hier gerade bei uns chillt.

Naja, und die, die eben auch hier wohnen und eigentlich die ersten Besetzer*innen dieses Hauses sind, sind die Tauben. Die gehören auf jeden Fall auch dazu. Naja, sie waren als Erstes da, deswegen haben sie auf jeden Fall ein Recht zu bleiben, auch wenn sie manchmal richtig doll stören.

Frage: Ich würde dir gerne eine etwas persönlichere Frage stellen, Sascha. Es geht um deine Erfahrungen, denn du warst ja bereits im Krieg, und vielleicht kannst du uns erzählen, wie du diese Entscheidung getroffen hast, und vielleicht auch, wie es dir jetzt hier geht? Wie gehst du mit deinen Erfahrungen um?

Sascha: Ich bin 2022 kämpfen gegangen. Da war ich 20 Jahre alt. Das war eine persönliche Entscheidung, ein persönlicher Wunsch. Ich habe die Notwendigkeit dafür gesehen. Ich hatte schon das Gefühl, ich will mich eigentlich so direkt wie möglich dieser Bedrohung entgegenstellen, die da auf mein Zuhause und auf meine Freund*innen zukommt. Ich will sie aufhalten und meine Freund*innen schützen vor dem, was passiert, vor dieser faschistischen und imperialistischen Bedrohung, die da über uns gekommen ist. Denn wir haben schon in den Jahren vorher gesehen, wie sich die Dinge in Russland verändert haben. Wie es auch den Anarchist*innen in Russland ergangen ist. Und haben gesagt, wir haben hier die Möglichkeiten, politisch zu kämpfen und für unsere eigenen Rechte einzustehen. Aber wenn wir uns nicht wehren, wird das danach auf jeden Fall nicht mehr der Fall sein. Es war jedenfalls eine persönliche Entscheidung.

So kam es eben dazu, dass ich in den Krieg gezogen wurde und daran aktiv teilgenommen habe. Das war sehr schwer. Das war permanent sehr schwer, aber die Motivation war da, auf jeden Fall. Ich habe Verletzungen erhalten und auch abgesehen davon bin ich durch wirklich schwierige Situationen gegangen. Aber was sehr schwer war, waren die Strukturen in der Armee. Das war wirklich ein Problem für mich als Anarchist, diese krasse Hierarchie, die dort herrscht. Da war es auf jeden Fall gut, auch horizontale Strukturen, also diese horizontalen Beziehungen zueinander zu haben. Das war auch in jedem Fall wichtig, um sich auch gegen die Armee und deren Strukturen zu wehren. 

Es gibt hier schon Möglichkeiten, also anarchistische Einheiten, beziehungsweise anarchistisch beeinflusste Einheiten, Armee-Einheiten, in denen viele Genoss*innen kämpfen. Wichtig ist vor allem, dass auch die Kommandeure okaye Einstellungen haben, die gleichen Ideale teilen oder zumindest unterstützen. Denn wenn du gemeinsam und auf eine horizontale Art und Weise Entscheidungen treffen kannst und du dich da ein bisschen horizontal organisieren kannst, hilft das ungemein.

Was natürlich auch zur Motivation beigetragen hat, das ist eigentlich die Erkenntnis, die ich hatte, dass wenn wir uns jetzt hier nicht wehren und besetzt werden, dann geht es uns auf jeden Fall schlecht. Es kann sein, dass wir dann auch in die russische Armee mobilisiert werden , wo es solche Möglichkeiten überhaupt nicht gibt. Ich denke schon, dass wenn wir jetzt einfach kampflos aufgeben, Russland, weil es nun mal ein imperialistischer Aggressorstaat ist, einfach weitergehen würde. Und genau das muss auf jeden Fall vermieden werden.

Was mir auch noch wichtig ist, zu sagen: Ich bin während all dieser Zeit vegan geblieben. Ich wollte damit auch an meinem Beispiel zeigen, dass es möglich ist, unter schwierigsten Bedingungen weiter vegan zu sein. Das war mir einfach wichtig, weil es ja oft in Frage gestellt wird. Ich war beispielsweise in einem Schützengraben in der Nähe einer Siedlung bei Bachmut und musste dort leider so eine vegane Wurst, die aus Deutschland gekommen ist, zurücklassen, weil wir uns zurückziehen mussten. Das war sehr schade, aber passiert. Aber das ist sozusagen der physische Beweis, dass ich vegan geblieben bin. Es war wichtig für mich, zu zeigen, dass es möglich ist. Es ist wichtig, auch im Krieg die Tiere nicht zu vergessen, weil sie genauso unter diesem Krieg leiden. Und nicht einfach die eigenen Überzeugungen und Herangehensweisen über Bord zu werfen.

Als ich dann verletzt wurde, konnte ich nicht mehr an der Front sein. Es wurde gesagt, okay, du kannst jetzt nicht mehr an der Front kämpfen. Das geht nicht. Und deswegen war ich dann seit Mitte 2024 in der Nachhut. Also ich war nicht mehr an der Front, aber ich war weiter in der Armee, auch wenn ich nicht direkt gekämpft habe. Ich habe früher in Lwiw gelebt und habe die Leute hier dann erst 2024 getroffen, weil ich nach Odesa verlegt wurde. Tatsächlich bei einer Gedenkveranstaltung zum 19. April, also einer Gedenkveranstaltung für Dmitri Petrov, Cooper Andrews und Finbar Cafferkey. Ich bin hingegangen und habe da die Leute von hier getroffen und da haben wir uns richtig angefreundet. Die Freund*innen haben mir dann beim Wiederankommen geholfen. Ich habe es geschafft, mich selbst, also meine Persönlichkeit und auch meine Überzeugungen, trotz dieser schwierigen Umstände zu bewahren. Auch dank der Leute, die ich hier kennengelernt habe und dank dieses Ortes.

Lida: Also, das Beispiel von Sascha zeigt eigentlich ganz gut unsere Situation. Wir waren beide in unterschiedliche Gruppen, die sich beide mit veganem Aktivismus beschäftigt haben, hier und in Lwiw, und das ist eine kleine Szene. Deswegen wussten wir als Organisationen zwar voneinander, aber kannten uns eigentlich kaum. Es gab auch keine Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gruppen. Und durch diese öffentlichen Aktionen und Veranstaltungen, die wir machen, haben wir uns dann erst richtig kennengelernt. Und es sind auch viele Leute hierher gekommen aus unterschiedlichen Städten, aus Lwiw, Kyjiw, Charkiw und so weiter. Also durch diesen Krieg lernst du zwar neue Leute kennen, und gleichzeitig führt der Krieg dazu, dass du viele Leute extrem lange nicht sieht. Für Jahre. Und es ist unklar, ob sie überhaupt zurückkommen werden.

Ich will es noch mal deutlich sagen, weil es manchen Leuten in Westeuropa nicht ganz klar zu sein scheint. Wir sind Feminist*innen geblieben, wir sind Veganer*innen geblieben, wir sind Aktivist*innen geblieben, auch wenn wir uns am Kampf beteiligen, auch wenn wir uns hier dazu entschieden haben, Waffen in die Hand zu nehmen, weil es eben einfach unser Zuhause ist. Wir wollen hier bleiben, wir wollen das, was wir uns hier aufgebaut haben, behalten. Und wir finden eigentlich, dass es eine ziemlich verständliche Reaktion ist, wenn jemand mit einer Waffe in der Hand kommt und dich umbringen will und dein Leben komplett auf den Kopf stellen will, selber auch Waffen in die Hand zu nehmen und sich dagegen zu verteidigen und zu versuchen, dass genau das nicht passiert.

Es ist wirklich so, wir brauchen eure Solidarität, wir brauchen die auch weiterhin. Ohne die Solidarität, die es gegeben hat und gibt – und ich weiß, dass es viel Solidarität gegeben hat, auch unter anderem aus Dresden – hätten wir das einfach nicht geschafft mit Solidarity Collectives. Wir brauchen da viel Hilfe. Alles worüber wir jetzt gesprochen haben, ist miteinander verbunden, weil Solidarity Collectives unter anderem auch Sascha geholfen hat und veganes Essen an die Front geschickt hat. Wir brauchen die Solidarität, das ist wichtig. Bitte macht weiter damit. Andere Leute auch, die das jetzt lesen. 

Beispielsweise hat Solidarity Collectives für Sascha auch eine dieser Platten für seine Schutzweste gekauft. Und diese Weste hat tatsächlich geschützt. Da ist ein großer Splitter drin gelandet. Es ist eben wirklich so, dass solche Sachen helfen, das Leben unserer Genoss*innen zu retten. Danke euch.

Wir danken euch für das Gespräch.

Unsere nächste Reise findet im Oktober 2026 statt.
Wir werden nach Charkiw fahren um HUmanitäre Unterstützugn zu leisten.
Bitte unterstützt unsere Spendenkampagne für Kriegvertriebene.

INTERVIEW MIT ANDRII IN ODESA im CP3-2

Foto: An diesem schönen Ort haben wir das Interview geführt.

Im Rahmen unserer Reise im Juli 2026 in die Ukraine haben wir in Odesa das Hausprojekt CP3-2 besucht. Die alte Schiffreparaturfabrik liegt mitten in Odesa am Schwarzen Meer. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Industriehafen und riesige Hotels. Das Haus selbst ist an vielen Stellen baufällig und vom Regenwasser feucht. Für die Reparatur des Daches haben wir vor unserer Reise Geld gesammelt und Dachpappe besorgt. Das Projekt ist seit vielen Jahren selbst organisiert und die Bewohnenden gestalten und verwalten den Ort autonom. Es gibt private Schlafzimmer, ein gemeinsames Bad, Gemeinschaftsräume, Werkstätten und im Sommer eine Küche im Freien. Hier leben dauerhaft etwa neun vegane Aktivist*innen.

In diesem Interview sprechen wir mit einem anderen Aktivisten und Künstler, der in CP3-2 lebt. Er berichtet ebenfalls über das Leben im Haus und was es für ihn bedeutet. Außerdem berichtet er uns über die Arbeit bei SAD (Street Aid Daily) und ein bisschen etwas über seine Kunst.

INTERVIEW MIT ANDRII IN ODESA

Frage: Hallo, kannst du dich kurz vorstellen?

Andrii: Hallo, ich bin ich Andrii. Ich komme aus Odesa. Ich mache Kunst, verschiedene Kunst und ich bin Aktivist.

Frage: Was bedeutet das CP3-2 für dich?

Andrii: Mein ganzes Leben lang habe ich mich eigentlich immer wie ein Streuner gefühlt. Ich bin immer von einem Ort zum nächsten gerannt und es gab keinen Ort, an dem ich zu Hause gefühlt habe. Jetzt ist dieser Ort in gewisser Weise mein Zuhause.

Frage: Und was bedeutet es, hier zuhause zu sein?

Andrii: Es ist schön einen Ort zu haben, an dem man so ein bisschen lieber aufwacht als an anderen Orten. Ich kann hier sein, wie ich bin. Und es ist cool nicht allein zu sein. Hier gibt es viele Leute, die ähnlich denken wie ich und die manchmal für einen kochen, oder wir kochen zusammen und essen gemeinsam. Und dadurch entsteht diese Gemeinschaft.

Frage: Mit wie vielen Leuten lebt ihr hier? Und wie kommen Leute an diesen Ort?

Andrii: Wirklich dauerhaft leben hier in der Regel 8 bis 9 Leute. Aber es gibt auch Leute, die nur eine Zeit lang hier wohnen. Zum Beispiel, weil sie zum Arbeiten hierher kommen oder den Sommer hier verbringen. Also im Sommer sind hier generell mehr Menschen und dann sind wir so 15-16 Leute.

Frage: Und was macht ihr hier im Haus?

Andrii: Also es gibt die Aufgaben im Haus, die erledigt werden müssen, zum Beispiel Kochen und Aufräumen. Das machen eigentlich mehr oder weniger die gleichen Leute. Und es gibt auch Aktionen um das Haus herum. Ich helfe nur dabei. 
Wir haben eine Initiative – SAD, Street Aid Daily, wo wir wohnungslosen Menschen helfen. Da bin ich viel aktiv. Wir packen beispielsweise Pakete mit wichtigen Gegenständen, wie Schlafsäcken, Essen, Hygieneartikel und so weiter und geben die dann aus. Ein Teil dieser Arbeit findet auch hier im Haus statt. Ich male und mache Kunst mit den Menschen, und das Material dafür lagert auch hier.

Frage: Kannst du noch ein bisschen mehr über die Initiative erzählen? Wie ist diese Arbeit und wie sind die Leute, die ihr supportet?

Andrii: Die Ausgabeaktionen, die wir machen, finden jeden Sonntag statt, in der Nähe vom Bahnhof. Das hat sich einfach so ergeben, weil sich dort viele Wohnungslose aufhalten und auch andere Initiativen freiwillig u. a. Essen verteilen. Wir geben dort Dinge des täglichen Bedarfs aus, beispielsweise Zahnpasta, Zahnbürsten, Seife, Unterlagen, auf denen man schlafen kann. Wichtig sind auch Zigaretten, die sind ganz wichtig! Medizinische Präparate können wir nicht verteilen, weil wir dafür keine Genehmigung haben. 
Die Leute, denen wir helfen, sind Wohnungslose aus Odesa, aber auch viele Leute, die aufgrund des Krieges nach Odesa gekommen sind und Leute, die nicht unbedingt wohnungslos sind, sondern in prekären Verhältnissen leben. Eben zum Beispiel, weil sie fliehen mussten.
Und nochmal kurz zurück zu der Kunst, die ich mit den Leuten mache. Oft ist es so, dass die Leute nicht so richtig Lust haben und ich sie erstmal motivieren muss. Ich bin selber Künstler und deswegen mache ich das. Wenn coole Bilder entstehen, dann drucken wir die auf T-Shirts oder machen Drucke davon und verkaufen die. Damit finanzieren unsere Arbeit.
Und es geht schon auch irgendwie darum, über solche Aktionen eine gemeinsame Sprache zu finden und nicht einfach nur etwas auszugeben und dann wieder zu gehen. Das dauert halt eine Weile. Aber das gibt den Menschen auch ein bisschen emotionalen Support, wenn man eine Beziehung zu ihnen aufbaut, sie auch mal in den Arm nimmt, weil es ihnen oft einfach beschissen geht und sie traurig, und das kann dann auch helfen.
Ja, ich glaube das ist, was ich über SAD sagen kann.

Frage: Okay. Dann noch mal zu CP3-2 als Ort. Für mich ist das hier sehr besonders. Wir können das Meer sehen. Es ist mitten in Odesa, neben diesem schicken Hotel. Der Hafen ist auch nah. Wie kommt es, dass dieser Ort genau hier existiert?

Andrii: Irgendwie.
Also ja, es ist ein spezieller Ort, den gibt es schon seit ungefähr fünf oder sechs Jahren und dass er hier so existiert ist ein Glücksfall.
Es ist ein bisschen unklar, warum wir noch hier bleiben können, aber es ist noch so. Und das obwohl wir aus einer normativen Sichtweise vielleicht dreckige, unordentliche Leute sind. Normalerweise sind solche Orte von irgendwem gekauft worden und verfallen dann einfach. Und hier ist es aus irgendeinem Grund nicht so.
Naja und irgendwie leben wir hier auch in einer Art Eskapismus, in unserem kleinen eigenen Raum, der abgetrennt ist von der kapitalistischen Welt, und darin versuchen wir zu sein und irgendwie durchzukommen.

Frage: Wie besprecht ihr den Krieg hier in eurem Kollektiv oder in der Community?

Andrii: Wenn wir über den Krieg reden, dann machen wir das mit sehr viel Ironie, weil es irgendwie anders auch nicht geht. Bei uns sind viele Leute, die in der Armee sind, die bald in die Armee gehen oder die in der Armee waren und eben auch andere. Uns ist allen klar, dass in der Armee auch sehr viel Scheiße abläuft und darüber reden wir und machen Witze. Über die Russen, die uns angreifen, machen wir nicht so viele Witze, aber über die Raketen und die Drohnen dann wiederum schon.nAnders hält man das nicht aus. Wir sitzen hier im Haus und hören den Lärm bei Luftangriffen, das ist einfach schrecklich und dann versuchen wir den mit unserem Scherzen zu übertönen.

Frage: Ja, ich habe gefragt, weil du am Anfang gesagt hast, dass du die Ukraine eigentlich verlassen möchtest, weil es mit dem Krieg sehr erschöpfend ist. Und auf der anderen Seite wissen wir, dass auch viele Leute entschieden haben, in die Armee zu gehen. Und ich habe mich gefragt, ob es, wenn ihr darüber redet, okay ist, dass Leute da unterschiedliche Positionen haben und auch andere Entscheidungen treffen?

Andrii: Bei mir ist es so, dass ich entschieden habe, ich will nicht an diesem Krieg teilnehmen, weil ich das Gefühl habe, dass ich darin nicht so kämpfen kann, dass ich etwas für mich erreiche, sondern eher für die ukrainischen Machthabenden und denen habe ich absolut nichts zu verdanken. Ich hatte mein ganzes Leben lang mit meinen eigenen persönlichen Problemen zu kämpfen. Meine Mutter hat lange auch gegen dieses System gekämpft und wir hatten sehr viele Probleme.
Es ist schon so eine Art Flucht und es ist schwierig, das mit sich auszuhandeln, aber ich habe das so für mich entschieden. Im Kollektiv ist es so, dass es zu diesem Thema unterschiedliche Positionen gibt, aber meine Position da auch akzeptiert wird. Und gerade die Leute, die gekämpft haben und die in der Armee waren, haben da viel Verständnis, weil sie wissen, dass es wirklich hart ist. Ich werde deswegen nicht angefeindet oder so.

Frage: Vielen Dank! Magst du noch etwas zum Abschluss sagen?

Andrii: Wir leben in einer grausamen Welt und wir stecken richtig tief in der Scheiße, aber die Zukunft wird hoffentlich richtig geil!

Im Oktober 2026 werden wir unsere nächste Reise antreten.
Wir werden auch wieder in Odesa vorbei schauen, aber auch nach Kharkiv fahren um Humanitäre Unterstützugn zu leisten.
Bitte unterstützt unsere Spendenkampagne.

SOLIDARITY WITH UKRAINE – Reisebericht | Auktion

MITTWOCH | 9. September 2026 | 19:00 | FAU Lokal, Bürgerstraße 52

Nach vier Jahren Solidaritätsarbeit für Menschen in der Ukraine haben wir letztes Jahr im Oktober 2025 angefangen Delegationsreisen durchzuführen. Uns war es wichtig, Menschen zu connecten, sich auszutauschen, die Situation vor Ort selbst wahrzunehmen, direkte Solidarität zu üben und langfristige Beziehungen aufzubauen. Mittlerweile gab es bereits zwei Reisen und eine dritte ist für Oktober 2026 in Planung.

Wir möchten gerne teilen, was wir erlebt haben und mit euch über Solidarität sprechen.

Außerdem werden wir in diesem Rahmen unsere Fotoausstellung eröffnen, die ab dem 9. September im FAU-Lokal zu sehen ist.
Es wird eine Versteigerung, unter anderem mit Geschenken und Bildern die wir mitgebracht haben, geben, um Geld für die Reise im Oktober zu sammeln!

Ablauf:

17:00 Ausstellungseröffnung – Fotoausstellung mit Bildern der letzten beiden Reisen mit Führung durch die Ausstellung
18:00 KÜFA: Paella
19:00 Reisebericht
20:30 Auktion – wir sammeln Spenden für die Reise im Oktober

UKRAINESOLIDARITÄT – Ausstellungseröffnung

Mittwoch 09.09.2026 17:00 -18:00 @FAU-Lokal (Bürgerstr. 52, 01127 Dresden)

Nach vier Jahren Solidaritätsarbeit für Menschen in der Ukraine haben wir letztes Jahr im Oktober 2025 angefangen Delegationsreisen durchzuführen. Uns war es wichtig, Menschen zu connecten, sich auszutauschen, die Situation vor Ort selbst wahrzunehmen, direkte Solidarität zu üben und langfristige Beziehungen aufzubauen. Mittlerweile gab es bereits zwei Reisen und eine dritte ist für Oktober 2026 in Planung.

Wir möchten gerne teilen, was wir erlebt haben und mit euch über Solidarität sprechen.

Außerdem werden wir in diesem Rahmen unsere Fotoausstellung eröffnen, die ab dem 9. September im FAU-Lokal zu sehen ist.
Es wird eine Versteigerung, unter anderem mit Geschenken und Bildern die wir mitgebracht haben, geben, um Geld für die Reise im Oktober zu sammeln!

Ablauf:

17:00 Ausstellungseröffnung – Fotoausstellung mit Bildern der letzten beiden Reisen mit Führung durch die Ausstellung
18:00 KÜFA: Paella
19:00 Reisebericht
20:30 Auktion – wir sammeln Spenden für die Reise im Oktober

Spendenaufruf – Ukraine Solidarity Trip Oktober 2026

Hey, wir sind ein Kollektiv von Aktivist*innen aus Dresden, die momentan einen Solidarity-Trip in die Ukraine planen. Die Hauptgründe dafür sind in erster Linie humanitäre Hilfe, Solidaritätsarbeit und Networking. Der Trip wird vom 29. September bis zum 11. Oktober 2026 gehen. Dabei werden wir verschiedene selbstverwaltete Kollektive und Organisationen besuchen, die den Menschen vor Ort Hilfe leisten.
Als Teil des Anarchistischen Netzwerks Dresden (AND) veranstalten wir Solidaritäts- und Bildungsevents zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Hier findet ihr ein paar Berichte über unsere letzten Trips:
Reise im Oktober 2025
Reisebericht beim Anarchistischen Hörfunk aus Dresden
Bericht Delegationsreise vom Juli 2026

Hier ein paar Events, die wir während der Week of Solidarity with People in Ukraine veranstaltet haben.

Auf dem Trip werden wir verschiedene Kollektive und Organisationen besuchen. Dazu zählt das Street Aid Daily (SAD) in Odessa und Solidarity Collectives. Diese leisten u. a. Unterstützungsarbeit für anti-autoritäre Kämpfer*innen an der Front sowie Obdachlosenhilfe, Mutual Aid und Community Building. Wir werden gemeinsam eine Fahrt nach Charkiw machen und Menschen die vom Krieg vertrieben wurden treffen und humanitäre Hilfe für die Unterkünfte mitbringen. Wir besuchen auch ein Tierheim für gerettete Tiere in Charkiw.

Um diese Arbeit weiter machen zu können, braucht es Ressourcen. Diese sind z. B. Kochutensilien, Lebensmittel, Werkzeuge, Medikamente, Medizinprodukte, usw. Des Weiteren müssen wir unseren Trip finanzieren. Besonders Treibstoff ist ein großer Kostenfaktor.
Aus diesem Grund bitten wir euch um Unterstützung in Form von Spenden.
Jede Spende ist wichtig!
Vielen Dank <3

Street Aid Daily Odesa https://whydonate.com/fundraising/solidarity-trip-street-aid-daily-odesa-ukraine
Animal Rescue Shelter Kharkiv https://whydonate.com/fundraising/solidaritatsreise-unterstutzung-eines-tierheims-in-charkiw-ukraine
Heime für Kriegsvertriebene https://whydonate.com/fundraising/solidaritatsreise-unterkunfte-fur-kriegsvertrieben-in-charkiv-ukraine